Marzell Stählin

1928 - 1985

Der am 17. April 1985 verstorbene Lachner Primarlehrer Marzell Stählin hat in echter, unverfälschter Lachner Mundart weit über hundert Gedichte verfasst, die sich vorab im Kreise von Begebenheiten, Umständen und Brauchtum des Dorflebens von Lachen bewegen. Die Beobachtungen von Marzell Stählin sind stets von grosser psychologischer Schärfe. In lieblicher, aber oft auch sehr schalkhafter Poesie wird das Dröhnen und Geschell der Dreikönigsnacht, die Uzyt, das Butznen und die Polizeistunde beschrieben. Wir finden herrliche Reime über Gespräche am Jasstisch, Vereinsproben, Bibeli, Ribeli und Rosoli. Er beschreibt in seinen Gedichten auch längst Vergangenes wie die Waschtage am See, das Vogezerbrot oder die früheren Dorforiginale. In all seinen Gedichten spürt man förmlich die Liebe des Autors zu seinem Dorf. Marzell Stählin hat mit dem Beschrieb des Dorflebens in Poesieform den Lachnern viel erhalten und auch viel gegeben. Er galt als ausgesprochener Kenner "alt Lachens" und dessen Traditionen. Herrlich ist seine unverfälschte Lachner Mundart mit Ausdrücken, die ohne ihn längst in Vergessenheit geraten wären. Das 1985 erschienene Buch "Mys Dorf am Sey" ist eine herrliche Erinnerung an seine dichterischen Werke.

Ä chlini Choschtproub...

Rosouli
Rosouli braut mer drumm esou:
Z'erscht wird de Saft vo Chriesi gnou
me chochz mit schwarzem Zucker y,
me füegt die feinste Gwürzli by,
me filtret's suuber, lout's lo rueh,
me git de nöütig Schnaps dezue.
Wie isch das süess! Es wirkt und chläbt
nach 's Grosis altem Husrezäpt.

Rosouli gnüüsst mer dänn esou:
Me bschlüsst, as glatte Butzi z'gouh,
me schüüft i kunterbuntigs Gwand,
me schluckt sis Pfämmett mit Verstand,
das löüst de Zungeschlag,
sprützt Muet,
me butznet keck, schlagfertig, guet.
Dir, glungne Butzi, merkt mer's a:
Häsch 's richtig Mäss Rosouli gha!

Bild: Marzell Stählin


 

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Gedruckt am 25.04.2018 02:44:28